Fallanalyse & Beratung
Spezialisierte Leistungen im Überblick
Wenn materielle Beweise allein keine eindeutige Richtung vorgeben oder Ermittlungen stagnieren, gewinnt die strukturierte Analyse an Bedeutung. Die nachfolgenden Leistungen umfassen methodische Ansätze zur Neubetrachtung komplexer Verfahren von Verhaltens- und Aussageanalyse bis hin zur räumlich-sequenziellen Einordnung von Tatmustern. Im Fokus steht die Entwicklung belastbarer Ermittlungsansätze durch analytische Klarheit und interdisziplinäre Perspektiven.

Kriminalistische Fallanalyse & strategische Neubewertung
Die kriminalistische Fallanalyse umfasst die strukturierte Auswertung von Tatortbefunden, Verhaltensmustern, zeitlichen Abläufen und bisherigen Ermittlungsentscheidungen im Gesamtkontext des Verfahrens. Bestehende Annahmen werden kritisch hinterfragt und durch alternative Szenarien ergänzt, um ein differenziertes Gesamtbild des Fallgeschehens zu entwickeln.
Eine strategische Neubewertung setzt insbesondere dort an, wo Ermittlungen stagnieren oder sich auf eine dominante Hypothese verengt haben.
Ziel ist es, Denkverengungen aufzubrechen, bislang unbeachtete Zusammenhänge sichtbar zu machen und operative Maßnahmen evidenzbasiert neu auszurichten.

Forensische Verhaltensanalyse
Die forensische Verhaltensanalyse analysiert Täterverhalten im Kontext psychologischer Zusammenhänge und situativer Dynamiken.
Dabei werden wiederkehrende Verhaltensmuster, Interaktionsdynamiken und typische Abläufe im Gesamtkontext bewertet. Ergänzend wird die Abfolge einzelner Handlungsschritte innerhalb einer Tat untersucht, um Entscheidungsprozesse und Eskalationsverläufe nachvollziehbar einzuordnen.
Dieser Ansatz ist insbesondere bei Gewalt-, Tötungs- und Sexualdelikten sinnvoll, da hier Tatdynamik und Entwicklungsverlauf häufig zentrale Hinweise auf Motivlage, Handlungslogik und mögliche Wiederholungsstrukturen liefern.

Statement- & Interviewanalyse
Strukturierte Analyse mündlicher Aussagen unter linguistischen, psychologischen und inhaltlichen Gesichtspunkten.
Untersucht werden unter anderem Inhaltsstruktur, Wortwahl, Sprechtempo, Betonung sowie paraverbale Merkmale wie z.B. Tonhöhe. Dies kann auf Basis von Audio- oder Videomaterial sowie in Echtzeit erfolgen.
Relevanz gewinnt dieser Ansatz vor allem bei eingeschränkter Beweislage, in denen die Aussagen der Beteiligten eine zentrale Rolle einnehmen. Durch die strukturierte Analyse lassen sich narrative Muster und mögliche Widersprüche nachvollziehbar einordnen. Auf Basis der Analyse lassen sich Befragungsstrategien und Fragestellungen gezielt weiter ausarbeiten.

Geografische & sequenzielle Analyse
Analyse räumlicher Tatmuster, Bewegungsradien und möglicher Ankerpunkte zur Eingrenzung potenzieller Täteraktivitätsräume.
Insbesondere bei Vermisstenfällen, Seriendelikten oder Brandserien können räumliche Cluster Hinweise auf Wohn-, Arbeits- oder regelmäßige Aufenthaltsbereiche liefern und operative Maßnahmen gezielt priorisieren.
Ergänzend wird die Abfolge von Handlungen innerhalb und zwischen Taten betrachtet, um wiederkehrende Strukturen und tatbezogene Entscheidungsmuster einzuordnen und mögliche Zusammenhänge zwischen einzelnen Ereignissen herzustellen. So können relevante Muster und mögliche Täteraktivitätsbereiche weiter konkretisiert werden.

Cold Case Analyse
Umfassende erneute Sichtung langjährig ungeklärter Verfahren. Bestehende Hypothesen, Tatabläufe und frühere Ermittlungsentscheidungen werden systematisch überprüft und im Gesamtkontext neu eingeordnet. Einzelne Elemente des Falls werden dabei gezielt vertieft analysiert, um mögliche Ansatzpunkte differenziert herauszuarbeiten. Frühere Annahmen werden kritisch hinterfragt und alternative Szenarien entwickelt, sodass auch vermeintlich nebensächliche Informationen in einer erneuten Gesamtbetrachtung an Bedeutung gewinnen können.
Ziel ist es, festgefahrene Strukturen aufzubrechen und durch eine präzise, methodische Herangehensweise neue, tragfähige Ermittlungsansätze zu entwickeln.

Kooperationen
Komplexe Fälle profitieren von Zusammenarbeit. Der Ansatz interdisziplinärer Expertengruppen ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zu bündeln. Ziel ist die Verbindung verschiedener Fachkompetenzen, um neue Sichtweisen zu eröffnen und bislang unbeachtete Zusammenhänge zu identifizieren. Bei Bedarf wird, nach Abstimmung, auf die Nutzung internationaler Kontakte sowie investigativer Netzwerke und Expertenteams zurückgegriffen, um besondere Fallkonstellationen gemeinsam zu analysieren.
Sie möchten sich an einem bestehenden Forschungsprojekt beteiligen oder eine interdisziplinäre Zusammenarbeit anstoßen? Nutzen Sie hierfür bitte das Kontaktformular und stellen Sie sich sowie Ihr Anliegen kurz vor.

"Verhalten ist niemals zufällig. Jede Entscheidung, jede Handlung, jedes bewusste Hinterlassen, jedes Weglassen hinterlässt einen wichtigen Hinweis."
Workshop, Seminare und Fortbildungen
Ergänzend zu den Analyse- und Beratungsleistungen werden spezialisierte Workshops, Seminare und Fortbildungen angeboten. Die Inhalte verbinden methodische Grundlagen mit praxisnaher Anwendung und werden unter kontinuierlicher Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse weiterentwickelt. Nachfolgend finden Sie eine kleine Auswahl möglicher Themenformate. Neben den dargestellten Formaten können nach individueller Abstimmung aber auch spezifisch zugeschnittene Themenkonzepte entwickelt werden.

Strukturierte Fallanalyse & Hypothesenbildung
Kurzbeschreibung:
Der Workshop vermittelt Grundlagen zur systematischen Ersteinschätzung und Analyse von Fallkonstellationen. Ziel ist eine strukturierte Einordnung des Tatgeschehens und die fundierte Bildung erster Hypothesen.
Inhalte:
Rekonstruktive Tatortanalyse
Opferanalyse & Risikobewertung
Geografisches Profiling (Grundlagen)
Linkage-Analyse
Interdisziplinäre Fallbesprechung
Geeignet für:
Ermittlungsbehörden, Analyseabteilungen, interdisziplinäre Projektteams.

Täterdynamik & Mustererkennung im Ermittlungsprozess
Kurzbeschreibung:
Komplexe Fälle erfordern strukturiertes analytisches Denken. Dieser Workshop vermittelt Grundlagen zur Erkennung von Verhaltensmustern, Tatdynamiken und systematischer Hypothesenbildung.
Inhalte:
Modus Operandi vs. Signatur
Opfer-Täter-Dynamik
Organisiert vs. desorganisiert
Tatortinszenierung (Staging) erkennen
Angriffsarten und Opferauswahl
Nachtatverhalten als Analyseansatz
Geeignet für:
Ermittlungsbehörden, spezialisierte Projektgruppen sowie interdisziplinäre Ermittlungs- oder Analyseteams.

Körpersprache, Situationsbewusstsein & Gefährdungserkennung
Kurzbeschreibung:
Nonverbale Kommunikation liefert wertvolle Hinweise auf emotionale Zustände, innere Spannungen und situative Dynamiken. Dieser Workshop vermittelt, wie Körpersprache kontextbezogen eingeordnet, Mikroexpressionen erkannt und eigene Wirkung bewusst gesteuert werden kann.
Inhalte:
Grundlagen nonverbaler Kommunikation
Erkennen und Einordnen von Mikroexpressionen
Kontextbewertung von Mimik, Gestik und Haltung
Eigene Präsenz, Wirkung und Auftreten in Gesprächs- und Konfliktsituationen
Früherkennung potenzieller Gefährdungssituationen durch Verhaltensindikatoren
Vermeidung typischer Fehlinterpretationen
Geeignet für:
Ermittlungsbehörden, Sicherheitsdienste, Justiz, Personalverantwortliche sowie sicherheitsrelevante Berufsgruppen und auch Privatpersonen.

Forensische Befragung Minderjähriger im Kontext sexualisierter Gewalt
Kurzbeschreibung:
Strukturierte Gesprächsführung mit minderjährigen Opfern unter Berücksichtigung entwicklungspsychologischer, traumabezogener und aussageanalytischer Aspekte.
Inhalte:
Grundlagen forensischer Interviewführung mit Kindern
Altersgerechte Fragetechniken
Suggestivfragen vermeiden
Trauma- und Stressreaktionen verstehen
Aussagequalität vs. Belastungsreaktionen
Dokumentation und Strukturierung von Kinderbefragungen
Geeignet für:
Ermittlungsbehörden, Jugendämter, Familiengerichte, Opferschutzstellen, forensische Fachkräfte.
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